Informationen über den Nussknacker

Klein, simpel und doch so stark: Der Nussknacker

Ein Nussknacker ist dazu da, eine Nuss zu öffnen bzw. deren Schale zu knacken. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen und Farben.

Dabei muss zwischen zwei allgemeinen Nussknackervariationen unterschieden werden. Es gibt zum einen die sogenannten funktionalen Nussknacker, die ohne dekorativen Hintergrund lediglich als Werkzeug zum Knacken der Nuss dienen. Die geläufigsten funktionalen Nussknacker sind Zangen- und Schraubennussknacker. Erstere sind mit einer handelsüblichen Zange zu vergleichen, die die Nuss solange zusammendrücken, bis die Schale zerstört wird. Bei einem Schraubennussknacker wird die Nuss auf eine Fläche gelegt, bevor die Nussschale mit einem darüber befindlichen Schraubkopf geknackt wird. Zum anderen gibt es die dekorativen Nussknacker, die Ihnen sicherlich als die "echten Nussknacker" bekannt sind. Dekorative Nussknacker sind aus Holz gefertigte Figuren, die durch einen Hebelmechanismus die Nuss durch ihren Mund knacken können. Diese Art von Nussknackern wird liebevoll mit unterschiedlichsten Materialien wie Fell oder Leder verziert, was allerdings keineswegs ihre Funktionalität einschränkt.

Nussknacker - zumindest die funktionalen Nussknacker - gibt es schon seit der Antike. Damals bestand der handelsübliche Nussknacker aus zwei Hebelarmen und wurde wahrscheinlich vom griechischen Philosophen Aristoteles erfunden. Seither wurde der Nussknacker in vielerlei Hinsicht verbessert; selbst Leonardo da Vinci arbeitete an neuen Nussknackern. Die Entstehung der dekorativen Nussknacker geht ebenfalls auf die Zeit Leonardo da Vincis, also auf das 15. Jahrhundert, zurück, die "Zeit der Nussknacker-Figuren" begann jedoch erst im 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit begann die Holzschnitzerei von Nussknackern in Österreich und eroberte auch schnell die deutschen Staaten: die erzgebirgische Volks- und Holzkunst griff den neuen Trend auf und produzierte ebenfalls Holzfiguren zum Zwecke des Nüsseknackens. Noch heute werden in Deutschland Nussknacker-Figuren im Erzgebirge produziert. Nussknacker-Figuren stellten meist Förster oder Könige dar und sollten mit ihrem grimmigen Aussehen Respekt einflößen, doch wurden bekannte Persönlichkeiten parodisiert, beispielsweise Bismarck oder Napoleon. Im 19. Jahrhundert galten die Nussknacker-Figuren zeitweise sogar als Kinderspielzeug und wurden seither auf Weihnachtsmärkten verkauft oder zu Weihnachten verschenkt.
Die dekorativen Nussknacker haben sich trotz einer Trendwende bis heute bewährt, auch wenn sie in Kinderzimmern oder als ernstzunehmendes Werkzeug kaum mehr aufzufinden sind. Trotzdem gibt es immer noch Betriebe - vorwiegend Firmen für Holzspielzeug und -dekoration - die bis heute Nussknacker herstellen, so zum Beispiel die Kunstgewerbe-Werkstätten Olbernhau GmbH oder die Richard Glässer GmbH. Seit 1958 existiert desweiteren die Seiffener Volkskunst eG, die sich aus unabhängigen Handwerkern zusammengeschlossen hat. Bei der heutigen Herstellung von Nussknackern geht es allerdings vorwiegend zum den dekorativen Zweck; viele Nussknacker besitzen heutzutage nicht mal mehr die "Knackfunktion", da dies für einen Sammler ohnehin uninteressant wäre.

Die früheren Nussknacker wurden allesamt aus Holz gefertigt. Die funktionalen Nussknacker sind heutzutage allerdings überwiegend aus Metall, was einen geringeren Verschleiß und Produktionsauwand bei gleichzeitig erhöhter Effizienz bedeutet. Die dekorativen Nussknacker sind natürlich auch heute noch aus Holz. Hat man vor dem Industriezeitalter jedoch die Teile einzeln geschliffen und gehobelt, ist die Nussknackerproduktion heute weitgehend mechanisiert, wobei trotzdem ein nicht geringer Aufwand besteht. Vom Holzblock über einen komplexen Produktionsverlauf bishin zum fertig bemalten Nussknacker vergehen über 100 einzelne Arbeitsschritte.