Informationen über Weihnachtspyramiden

Weihnachtspyramiden - eine Erfindung des Erzgebirges

Bereits im 16. Jahrhundert sollen die Bergleute des Erzgebirges zu Weihnachten Holzstäbe wie Zeltpfähle pyramidenartig gegeneinander gestellt, oben zusammengebunden und mit Kerzen geschmückt haben. Dieser Brauch geriet erst Ende des 18. Jahrhunderts aus der Mode. Manchen Legenden zufolge sei sogar der Weihnachtsbaum aus diesen Holzgestellen entstanden.

Da das Erzgebirge vom Handwerk geprägt war und viele talentierte Handwerker beheimatete, war es nur eine Frage der Zeit, bis die einfachen Lichtergestelle nach und nach weiterentwickelt wurden. In der Senkrechten des Pyramidengestells wurde eine Holzachse angebracht, an der sich unten ein mit Figuren geschmückter Teller befand. An das obere Achsenende wurde ein Flügelrad befestigt, das sich durch die aufsteigende Wärme der am Gestell angebrachten Kerzen drehte. Der Prototyp der Drehpyramide stand.

Fast 500 Jahre erzgebirgische Volks- und Holzkunst

Auch im 21. Jahrhundert ist das Erzgebirge immer noch ein wichtiger Produzent und Exporteur von Weihnachtspyramiden. Die große Handwerkstradition ist geblieben und in Kunstgewerbe-Werkstätten wie der KWO Olbernhau wieder neu aufgeblüht. Die Drehpyramiden werden überwiegend in Handarbeit aus Holz hergestellt. Größere Flächen werden als Laubsägearbeit hergestellt, runde und bewegliche Elemente passgenau gedrechselt und die kleinen Figuren, die immer einen eigenen Charakter ausstrahlen, individuell geschnitzt und schließlich angemalt. Auch das Arrangement der einzelnen Elemente und der auf den Drehtellern nachgebauten Szenen wird in den Kunstgewerbe-Werkstätten regelmäßig neu entworfen.

Vom Bungalow bis zum Wolkenkratzer

Die kunstgewerbliche Entwicklung ist nicht stehen geblieben und so sind mittlerweile vielfältige Arten von Weihnachtspyramiden für beinahe alle Ansprüche im Sortiment.

Das Grundmodell sind die einstöckigen Drehpyramiden, die als Tischpyramiden bezeichnet werden. Sei bestehen aus einem Flügelrad und einem Drehteller, auf dem eine jahreszeitspezifische Szene dargestellt ist. Weihnachtspyramiden können aber auch aus zwei oder mehr, bis zu fünf Etagen bestehen. Die Etagen sind zentriert übereinander aufgebaut und werden nach oben zum Flügelrad hin im Durchmesser immer etwas kleiner, als würde man sie später zusammenschieben können. Jede Etage zeigt ein im Vergleich zum darunter liegenden Drehteller ein etwas abgewandeltes Motiv.

Eine ganze andere Variante sind die Deckenpyramiden. Hauptunterschied ist, dass sie nicht auf einer Unterlage stehen, sondern in der Regel an der Zimmerdecke hängen. Auch sie weisen ein Flügelrad auf, das durch die Kerzenwärme angetrieben wird. Die Kerzen befinden sich auf einem in abwechslungsreichen Formen gedrechselten Holzkreuz, dass an vier Ketten unter dem Flügelrad schwebt. Den Abschluss der Deckenpyramide, die auch Hängepyramide genannt wird, können Kristalltropfen bilden, die unter dem Kreuz aufgehängt werden.

Drehpyramiden werden auch als Adventshaus gestaltet. Die kleinen Holzhäuschen mit Spitzdach, Tür, Fenster und aufklappbaren Fensterläden stellen lebendige Szenen im und vor dem Haus dar, die wiederum durch die Drehteller- und Flügelradtechnik in Bewegung bleiben. Häufig werden Weihnachts- und Krippenmotive dargestellt, aber als Alternative werden auch historische Alltagsszenen aus dem Erzgebirge gefertigt, die auch außerhalb der Weihnachts- und Winterzeit eine wohlige Ausstrahlung verbreiten.

Viele Pyramidenarten sind variierbar. Die Figuren und Elemente, die die Szenen auf den Drehtellern oder im Adventshaus bestimmen, sind als Ergänzungselemente erhältlich, so dass der Benutzer ohne großen Kostenaufwand nach Belieben neue Motive gestalten kann. Wen wundert's, dass es mittlerweile Sammlerclubs für diese Holzfiguren gibt.

Auf Wunsch Einzug der Technik

Wer Kerzenlicht und echte Flammen in seiner Wohnung ausschließen möchte, der kann von den jüngsten technischen Weiterentwicklungen der Erzgebirge-Pyramiden profitieren. Statt verdampfendem Wachs leuchten elektrische Kerzen, der Drehteller und das Flügelrad werden von einem kleinen versteckt eingebauten Motor angetrieben. Bei manchen Ausführungen schlingen sich darüber hinaus zierliche Lichterketten durch die Szenerie und über das drehende Flügelrad.

Digital im Internet oder historisch vor Ort

Liebhaber, die nicht mobil sind, und ihre Umgebung mit einer Weihnachtspyramide bereichern möchten, können in Prospekten oder vor allem im Internet nach ihrem Wunschmodell suchen. Wer jedoch die Geschichte dieser kleinen erzgebirgischen Holzkunstwerke spüren, den Herstellungsprozess in Echtzeit miterleben und sich von der unglaublichen Produktvielfalt mit seinen eigenen Augen überzeugen möchte, der kann beispielsweise der Glässer GmbH in Seiffen einen Besuch abstatten und direkt am Arbeitsalltag teilnehmen. Im Erzgebirge befindet sich auch das Seiffener Spielzeugmuseum, das einem für ein paar Stunden eine Zeitreise in die unbeschwerte Vergangenheit ermöglicht.